ÖVAG schafft Turnaround 2010 nach schwierigem Jahr 2009

  • Wenzel: Haben solide Kapitalbasis und sind somit ein interessanter und starker Partner

    Wien (21.04.2010) - Die Österreichische Volksbanken-AG (ÖVAG) hat heute, Mittwoch, im Zuge ihrer Bilanzpressekonferenz das Konzern-Ergebnis für 2009 präsentiert. Demnach konnte mit EUR 405 Mio. das beste operative Ergebnis der Geschichte der Bank verbucht werden. Erhöhte Risikovorsorgen sowie Abwertungen bei Immobilien und Beteiligungen führten allerdings zu einem Jahresergebnis in Höhe von EUR -943,5 Mio. vor Steuern. „Das abgelaufene Jahr war für unseren Konzern das mit Sicherheit schwierigste, doch wir konnten diesen Negativtrend stoppen, haben die Bank stabilisiert und laut einer ersten Vorschau im Q 1 2010 den Turnaround auf Konzernebene geschafft“, so ÖVAG-Generaldirektor Gerald Wenzel.

    Gerald Wenzel ist seit 1. Mai 2009 in der Funktion des Generaldirektors für die ÖVAG verantwortlich und hat seither konsequente Maßnahmen zur positiven Entwicklung des Konzerns gesetzt. Für die strategischen Geschäftsfelder des Konzerns - Unternehmen, Retail und Leasing, Immobilien und Financial Markets - in Österreich und den CEE-Staaten, waren 2009 aufgrund der massiven Auswirkungen der Finanzkrise teils einschneidende Änderungen der Segmentstrategien notwendig. Wenzel: „Hier sind wir unserer Überzeugung gefolgt und haben ‚tabula rasa‘ gemacht; d.h. wir haben uns auf unser Kerngeschäft besonnen, um den Weg für eine gute Entwicklung im Jahr 2010 frei zu machen.“

    Mit der Zusammenlegung der IT Systeme sowie von Stabs- und Servicebereichen der Investkredit und der ÖVAG konnte 2009 der Grundstein zur Hebung von mannigfaltigen Synergien gelegt werden. Eine Reduktion des Verwaltungsaufwandes hat bereits 2009 zu Einsparungen in Höhe von EUR 64,1 Mio. geführt. Zudem wurde das Projekt Regio – der Verkauf von Retailbanken an die Volksbank Primärstufe (VB Wien, Ärztebank, Immo-Bank sowie in weiterer Folge 2010 VB Linz-Mühlviertel) - realisiert.

Geschäftsfelder 2009 im Überblick

  • Retail (VBI & Leasing)
    Die Strategie, die Märkte in den CEE Staaten mit moderatem und hauptsächlich organischem Wachstum zu bearbeiten, hat sich bewährt. Die VBI erwirtschaftete 2009 einen Gewinn von EUR 47,5 Mio. Wenzel: „Die Volksbank International ist und bleibt eine strategische Säule unseres Konzerns. Es gibt keine Planung die eine Abgabe unserer CEE-Tochter vorsieht.“ Das Leasing-Geschäft hat sich sowohl national als auch international gut entwickelt und einen Gewinn von EUR 5,3 Mio. erwirtschaftet.

    Unternehmen
    Für das Jahr 2009 zeigt sich ganz klar: Das österreichische Kernkundengeschäft ist erfreulich stabil – auch in der Investkredit. Probleme wurden durch die offensive CEE-Expansion vor der Krise verursacht. Wenzel: „Somit war klar, dass wir uns neu ausrichten müssen und daher haben wir unrentable Repräsentanzen der IK noch 2009 geschlossen. Mit den bestehenden IK-Repräsentanzen in Tschechien und Polen werden wir 2010 wieder Neugeschäft machen.“

    Financial Markets
    Im Jahr 2009 wurde ein Konzern-Rekord-Handelsergebnis von EUR 120,7 Mio. erreicht. Wenzel: „Dieses Ergebnis ist kundengetrieben und nicht spekulationsbedingt.“

    Immobilien
    2009 waren aufgrund der Marktsituation die Geschäftsmöglichkeiten sehr reduziert. Wenzel: „Wir haben uns zu einer Redimensionierung und einer Konzentration auf das Kerngeschäft entschlossen. Immobilien-Assets zu halten ist nicht unser Kerngeschäft. Bei der Europolis prüfen wir daher einen eventuellen Verkauf.“

Geschäftsverlauf

  • Die ÖVAG hat im Geschäftsjahr 2009 trotz Entspannung auf den Geld- und Kapitalmärkten besonders hohes Augenmerk auf die Versorgung mit Liquidität und Kapital gelegt, um so zum einen die Kunden ausreichend mit Liquidität versorgen zu können und zum anderen die Kapitalausstattung auf eine solide Basis zu stellen.

    Dennoch war das Geschäftsjahr 2009 von zahlreichen negativen Ereignissen geprägt. Hohe Vorsorgen für Kreditrisiken mussten gebildet werden. Darüber hinaus schlägt sich die negative Entwicklung auf den Immobilienmärkten mit deutlichen Abschlägen in den Wertansätzen in der Bilanz nieder. Letztlich führten auch Neubewertungen im Wertpapier- und Beteiligungsportfolio des ÖVAG Konzerns zu hohen Abschreibungen.

    Weiters war im inländischen Firmenkundengeschäft eine deutlich gebremste Kreditnachfrage festzustellen, da viele Unternehmen Investitionen in die Zukunft verschoben und bereits vergebene Kredite verzögerten oder nicht mehr zur Gänze ausschöpften. Dies hat zur Folge, dass auch das Zinsergebnis im Segment Unternehmen mit EUR 137 Mio. den Vorjahreswert um EUR 34 Mio. verfehlt.

    Das Ergebnis im Provisionsüberschuss konnte nicht auf dem Niveau von 2008 gehalten werden. Im Berichtszeitraum ist ein Minus von EUR 35 Mio. gegenüber dem Jahr zuvor zu verzeichnen. Diese Entwicklung ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Aufgrund der deutlich gesunkenen Nachfrage nach neuen Krediten gingen die Provisionen aus dem Kreditgeschäft von EUR 39 Mio. auf EUR 33 Mio. zurück. Die bewusste Reduktion von Krediten in fremder Währung als Teil einer den Märkten angepassten Risikostrategie führte zu einem Sinken des Überschusses aus dem Wechselkursgeschäft von EUR 34 Mio. auf EUR 17 Mio. Letztlich führte auch die geringere Kundennachfrage nach Wertpapierdienstleistungen 2009 zu einem um EUR 7 Mio. geringeren Ergebnis.

    Das Handelsergebnis konnte verbessert werden und lag um EUR 79 Mio. über dem Ergebnis 2008. Verantwortlich für die überaus positive Entwicklung waren der erfolgreiche Vertrieb von Neuemissionen, das Ausnützen von Volatilitäten im Zusammenhang mit Spread-Ausweitungen und das rechtzeitige Hedgen von Swap-Positionen. Die durchschnittliche Auslastung des Handelsbuch-Limits lag 2009 bei 55 %. Dies ist Zeichen einer sehr konservativen Risikostrategie des ÖVAG Konzerns.

    Die Verwaltungsaufwendungen von EUR 560 Mio. weisen im Jahresabstand einen Rückgang von EUR 64 Mio. auf, was die Effizienz der gestarteten Kostensenkungsprogramme belegt. Im Bereich der Sachkosten sowie der Personalkosten wurden EUR 33 Mio. bzw. EUR 31 Mio. gegenüber 2008 eingespart. Der Personalstand in Österreich (bereinigt um die Zahl der Mitarbeiter, die 2008 in den verkauften Retailbanken im Inland beschäftigt waren) verringerte sich seit dem Jahresultimo von 1.535 auf 1.467 Mitarbeiter. Im Ausland wurde eine Optimierung des Vertriebsnetzes insbesondere in der Ukraine vorgenommen. Ein Rückgang der Beschäftigten im Ausland von 6.846 Mitarbeiter auf 6.390 fand primär dort statt. Insgesamt betreuten zum Jahresende 2009 (ohne Mitarbeiter der verkauften Retailbanken im Inland) 7.857
    Mitarbeiter über 584 Vertriebsstellen im In- und Ausland die Kunden des ÖVAG Konzerns.

    Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft schlagen sich sehr deutlich in der Risikovorsorge für das Kreditgeschäft nieder. Die Risikovorsorgen wurden auf EUR –863 Mio. angehoben. Die größten Steigerungen gab es dabei im Segment Unternehmen, wo sich die Risikovorsorgen auf EUR –383 Mio. beliefen. Bei den CEE-Banken stiegen die Vorsorgen auf EUR –175 Mio. und im Segment Immobilien auf EUR –169 Mio.

Bilanz und Eigenmittel

  • Die Bilanzsumme beträgt zum 31. Dezember 2009 EUR 48,1 Mrd. Bereinigt um die Bilanzwerte der verkauften Retailbanken (inkl. Volksbank Linz-Mühlviertel rGmbh) bedeutet das einen Rückgang gegenüber dem 31. Dezember 2008 von EUR 3,0 Mrd. bzw. 6,0 %.

    Der Rückgang bei den Verbindlichkeiten gegenüber Kunden von EUR –1,3 Mrd. konnte durch einen Anstieg bei den verbrieften Verbindlichkeiten (primär mit staatlicher Garantie) mit einem Nettozuwachs von EUR 2,4 Mrd. überkompensiert werden, sodass sich die ÖVAG in einer ausgezeichneten Liquiditätssituation befindet.

    Die bankrechtlichen Eigenmittel des ÖVAG Konzerns betrugen zum 31. Dezember 2009 EUR 3,7 Mrd. Die Kernkapitalquote (Verhältnis Kernkapital zur Bemessungsgrundlage für das Kreditrisiko) betrug 10 %, bezogen auf das Gesamtrisiko betrug die Kernkapitalquote 9,2 %. Die Eigenmittelquote bezogen auf das Gesamtrisiko lag bei 12,5 %. Die vorhandenen Eigenmittel überstiegen das regulatorische Erfordernis um mehr als EUR 1,3 Mrd. bzw. 56 %. Mit diesen Kennzahlen verfügt der ÖVAG Konzern über eine hervorragende Eigenmittelausstattung.

ÖVAG Partnersuche: Suchen bewusst jemanden, der zu uns passt

  • Auch die ÖVAG hat 2009 – sowie fast alle großen Banken des Landes – die von der Republik Österreich angebotenen Eigenkapital stärkenden Maßnahmen in Höhe von EUR 1 Mrd. in Anspruch genommen und der Republik Partizipationskapital zur Zeichnung angeboten, ohne dabei die Anteile der bestehenden Aktionäre zu verwässern. Gerald Wenzel: „Aus unserem Selbstverständnis heraus ist es nun unser wichtigstes Anliegen, der Republik und damit dem österreichischen Steuerzahler das Partizipationskapital so rasch als möglich zurückzuzahlen. Deshalb evaluieren wir derzeit zügig mögliche strategische Partnerschaften. Wir suchen bewusst jemanden der zu uns passt. Wir sind auf der Suche nach der besten Lösung und machen keinen Schnellschuss. Der Prozess der Partnersuche läuft seit Wochen sehr intensiv und es gibt eine Reihe von Interessenten. Mit einigen dieser potentiellen Partnern werden derzeit vertiefende Gespräche geführt, um gemeinsam Zukunftsszenarien zu entwickeln.“

    Wichtigste Kennzahlen des ÖVAG Konzernabschluss 2009:

  • Jahresergebnis vor Steuern: -943,5 Mio. Euro
  • Jahresergebnis nach Steuern: -1.123 Mio. Euro
  • Bilanzsumme: 48,1 Mrd. Euro
  • Forderungen an Kunden: 24,2 Mrd. Euro
  • bankrechtliche Eigenmittel: 3,7 Mrd. Euro
  • Tier I Ratio: 10,0 %
  • Eigenmittelquote: 12,5 %
  • Eigenmittelüberschuss: 1.321 Mrd. Euro
  • Zinsüberschuss: 424,2 Mio. Euro
  • 7.857 MitarbeiterInnen
  • 584 Vertriebsstellen
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    Präsentation Bilanzpressekonferenz

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