Wochenkommentar: US-Immobilienmarkt schwach

  • Nachdem die Energiepreise im Mai um 2,9% M/M zurückgingen, erreichte die Inflationsrate in den USA mit -0,2% im Vergleich zum Vormonat ihren niedrigsten Wert seit Dezember 2008. Die Jahresrate verlangsamte sich im selben Zeitraum auf 2%. Lässt man die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise unberücksichtigt, ergibt sich eine Kerninflationsrate von 0,1% M/M bzw. 0,9% J/J. Mit wöchentlich 472.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung blieb der amerikanische Arbeitsmarkt weiterhin angespannt. Der Frühindikatorenindex des Conference Board stieg im Mai um 0,4% auf einen Wert von 109,9 an, während der Philadelphia Fed Index – bei welchem Werte über null auf wirtschaftliche Expansion hindeuten - von 21,4 Punkten im Mai auf 8 Punkte im Juni zurückging. Mit aufs Jahr hochgerechneten 300.000 Wohneinheiten erreichte die Zahl der Verkäufe von neuen Eigenheimen im Mai einen historischen Tiefststand. Im Vergleich zum Vormonat bedeutete dies einen Rückgang um 32,7%. Der deutliche Einbruch ist vor allem auf die Ende April ausgelaufenen steuerlichen Kaufanreize zurückzuführen. Bei bestehenden Immobilien gingen die Verkäufe im selben Zeitraum, bedingt durch Verzögerungen bei der Abwicklung von Hypotheken, um 2,2% M/M zurück. Im Mai wechselten aufs Jahr hochgerechnet 5,66 Mio bestehende Wohneinheiten ihren Besitzer. Das Leistungsbilanzdefizit hat sich im ersten Quartal von 101 Mrd $ im Vorquartal leicht ausgeweitet und betrug 109 Mrd $, was in etwa 3% des BIP entsprach. Auch in der Eurozone war die Leistungsbilanz im April mit -5,1 Mrd € deutlich negativ, nachdem im März ein Überschuss von 1,5 Mrd € beobachtet werden konnte. Im Zeitraum von Jänner bis April betrug das Leistungsbilanzdefizit 9,8 Mrd €, wobei die Handelsbilanz (+12,1 Mrd €) und die Dienstleistungsbilanz (+14,8 Mrd €) jeweils Überschüsse aufwiesen, während die Einkommensbilanz (-7,2 Mrd €) sowie laufende Übertragungen (-29,7 Mrd €) im Minus waren. Die Stimmungsindikatoren fielen zuletzt eher mäßig aus. Während der Index der Europäischen Kommission für das Konsumentenvertrauen im Juni auf -17,3 Punkte leicht anstieg (Mai: -17,8), wiesen die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor (55,4 Punkte) und die Industrie (55,6 Punkte) jeweils leicht fallende Tendenzen auf (Mai: 56,2 bzw. 55,8 Punkte).

    Die US-Notenbank (Fed) hat gestern den Korridor für die Federal Funds Rate bei 0 bis 0,25% belassen. Ihre Einschätzung zur Entwicklung der US-Wirtschaft im schriftlichen Statement zum Zinsentscheid war etwas weniger optimistisch als zuvor. Nach Ansicht der Fed zeigen die jüngsten Informationen, dass die wirtschaftliche Erholung voranschreitet und sich der Arbeitsmarkt allmählich erholt. Im Statement vom April war noch von einer Wirtschaft die Rede, die an Stärke gewonnen habe.

    Die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen, einschließlich einer geringen Kapazitätsauslastung, einer gedämpften Inflationsentwicklung und stabilen Inflationserwartungen, würden nach Ansicht der Notenbank voraussichtlich noch für einen längeren Zeitraum einen außergewöhnlich niedrigen Leitzins rechtfertigen.

    Die Aktienkurse entwickelten sich in den letzten Tagen weitestgehend seitwärts. Unterstützt durch die Ankündigung der chinesischen Notenbank, die Bindung des Yuan an den US-Dollar zu lockern, konnten die Kurse zu Wochenbeginn zulegen. Im weiteren Wochenverlauf sorgten jedoch die Veröffentlichung von schwachen Daten zum US-Immobilienmarkt und die etwas weniger optimistische Einschätzung der US-Wirtschaft durch die US-Notenbank für Druck auf die Kurse. Auch in den nächsten Tagen sollten die anstehenden Konjunkturdaten (USA: BIP-Wachstum, Verbrauchervertrauen, Einkaufsmanagerindex; EZ: Verbrauchervertrauen, Einkaufsmanagerindex (Endwert), etc.) die Richtung der Märkte beeinflussen. Insgesamt erwarten wir jedoch im Vorfeld der Veröffentlichung des wichtigen US-Arbeitsmarktberichts für Juni, die am 2. Juli ansteht, wenig Veränderung bei den Aktienkursen.

    Autoren: Friedrich Glechner, Stefan Wolowiec Volksbank AG Research, Dipl.-Vw. Uta Pock (Leitung): Tel. +43-1-53135-531; Alexandra Ernst –431; Mag. Friedrich Glechner, CFA: -684; Dipl.-Vw. Stephan Csaba Imre -569; Stefan Wolowiec -469; e-mail: research@volksbank.com

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