ÖVAG Konzern: Vorläufiges Ergebnis des Geschäftsjahres 2011

  • Vorbemerkung: Das im Folgenden dargestellte Ergebnis des Geschäftsjahres 2011 des ÖVAG Konzerns ist als vorläufiges Ergebnis zu betrachten, da die Bilanzfeststellung erst in der Hauptversammlung am 26. April erfolgen wird.

  • Wien (5. April 2012) – Eine sich verschärfende Staatsschuldenkrise, nicht zuletzt dadurch notwendige Neubewertungen von Beteiligungen, aber auch die Entwicklung in Rumänien und Ungarn belasten das Ergebnis der Österreichischen Volksbanken-AG (ÖVAG) 2011. Das Konzernergebnis vor Steuern beträgt für den Berichtszeitraum EUR -891 Mio., das Konzernergebnis (nach Steuern und nicht beherrschenden Anteilen) beläuft sich auf EUR -959 Mio.

    Am 27. Februar 2012 wurden mit den Eigentümern der ÖVAG und der Republik Österreich Stabilisierungsmaßnahmen beschlossen, die unter anderem die Rekapitalisierung der ÖVAG durch die Volksbanken und den Bund sowie die Fusion der Investkredit mit der ÖVAG vorsehen. Das fusionierte Institut soll in Folge die Funktion einer Zentralorganisation in einem Kreditinstitute-Verbund gemäß § 30a BWG, ausüben. Die Kapitalherabsetzung und die nachfolgende Kapitalerhöhung sollen in der Hauptversammlung am 26. April 2012 beschlossen werden und erhöhen das Eigenkapital für das Einzelinstitut und die Eigenmittel nach BWG bereits rückwirkend zum 31. Dezember 2011. Im vorliegenden Konzernabschluss sind diese Maßnahmen noch nicht berücksichtigt, da dies nach IFRS erst nach vollständiger Rechtswirkung möglich ist.

    Die bankrechtlichen Eigenmittel des ÖVAG Konzerns betragen zum 31. Dezember 2011 EUR 3,3 Mrd. Im Konzernabschluss sind sowohl die Banken aus dem CEE-Raum (nunmehr im Eigentum der Sberbank, Closing allerdings erst am 15.02.2012) als auch die VB Romania enthalten. Daher werden sowohl die Banken aus dem CEE-Raum als auch die VB Rumänien in der Berechnung der bankrechtlichen Eigenmittel zum Ultimo 2011 einbezogen. Des Weiteren sind die rückwirkenden Kapitalmaßnahmen (Kapitalherabsetzung und Kapitalerhöhung) ebenfalls in die Berechnung mit einbezogen. Die Tier I Ratio (Verhältnis Kernkapital zur Bemessungsgrundlage für das Kreditrisiko) erreicht 10 % (31. Dezember 2010: 10,3 %). Die Tier I Ratio bezogen auf das Gesamtrisiko beträgt 8,8 % (31. Dezember 2010: 9,4 %). Die Eigenmittelquote bezogen auf das Gesamtrisiko liegt bei 12,7 % (31. Dezember 2010: 12,8 %). Die vorhandenen Eigenmittel übersteigen das regulatorische Erfordernis um mehr als EUR 1,2 Mrd.

    Wäre die Volksbank International bereits zum 31. Dezember 2011 verkauft worden, würden sich die Kapitalquoten signifikant erhöhen. Die Tier I Ratio (Verhältnis Kernkapital zur Bemessungsgrundlage für das Kreditrisiko) würde dann 13,1 % betragen. Die Tier I Ratio bezogen auf das Gesamtrisiko läge bei 11,3 % und die Eigenmittelquote bezogen auf das Gesamtrisiko bei 16,3 %. Die vorhandenen Eigenmittel würden das regulatorische Erfordernis um mehr als EUR 1,6 Mrd. übersteigen.

Bilanzsumme deutlich reduziert

  • Die Bilanzsumme des ÖVAG Konzerns beträgt zum 31. Dezember 2011 (inkl. der VBI) EUR 41,1 Mrd. und zeigt somit einen Rückgang von EUR 5,4 Mrd. oder 11,6 % gegenüber dem Vorjahr. Davon betreffen EUR 1,7 Mrd. den Abgang der Europolis Gruppe sowie EUR 4,8 Mrd. die Entkonsolidierung der Volksbank Romania. Für die VBI belaufen sich die Vermögenswerte einer Veräußerungsgruppe zum Ultimo 2011 auf EUR 8,8 Mrd.  Zieht man diese Summe ab, läge die Bilanzsumme bereits zum Ultimo 2011 bei EUR 32,3 Mrd., was einem Rückgang von EUR 14,2 Mrd. oder 30,5 % gegenüber dem Vorjahr entspräche.Die verbrieften Verbindlichkeiten betragen zum 31. Dezember 2011 EUR 13,5 Mrd. und verringerten sich gegenüber dem Vorjahresultimo um EUR 2,4 Mrd. oder 15,2 %. Dies ist vornehmlich auf planmäßige Tilgungen zurückzuführen.

    Der Zinsüberschuss (inklusive at equity Bewertung) beträgt für das Geschäftsjahr 2011 EUR 394 Mio. und liegt damit um EUR 112 Mio. oder 22 % unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Zurückzuführen ist das einerseits auf den Abgang der VB Rumänien aus dem Konsolidierungskreis und andererseits auf ein Sinken der Zinsmarge in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Die Bewertung at equity der VB Rumänien für den Zeitraum 10-12/2011 beträgt EUR -46 Mio.

    Im Vergleich zur Berichtsperiode des Vorjahres hat sich der Provisionsüberschuss leicht um EUR 7 Mio. oder 7 % auf EUR 94 Mio. verringert. Das Handelsergebnis liegt bei EUR 3 Mio. und somit um EUR 34 Mio. unter dem Wert des Geschäftsjahres 2010. Die Veränderung im Handelsergebnis ist wesentlich auf die Marktreaktionen der europäischen Staatsschuldenkrise zurückzuführen.

Risikovorsorgen weiter reduziert

  • Trotz nach wie vor schwierigem wirtschaftlichen Umfeld in Teilen Mittel- und Osteuropas konnten die Risikovorsorgen im Vergleich zum Vorjahresberichtszeitraums um EUR 176 Mio. auf EUR 104 Mio. gesenkt werden. Der größte Rückgang kommt dabei aus dem Segment Retail, wo die Vorsorgen im Geschäftsfeld Leasing um EUR 32 Mio. und in der VB Rumänien um EUR 113 Mio. zurückgegangen sind und aus dem Segment Unternehmen mit einem Rückgang von EUR 68 Mio. Im Segment Immobilien mussten hingegen die Risikovorsorgen um EUR 22 Mio. und im Segment Bankbuch/Allgemein um EUR 14 Mio. erhöht werden.

Wertberichtigungen und Neubewertungen

  • Das Ergebnis aus Finanzinvestitionen beträgt für 2011 EUR -441 Mio. Aufgrund der von der Europäischen Union für Griechenland beschlossenen Maßnahmen mussten alle Griechenland-Anleihen wertberichtigt werden, was in Summe das Ergebnis mit EUR -160 Mio. belastet. Aufgrund der gestiegenen Volatilitäten auf den Finanzmärkten entschloss sich das Management, bisher als Finanzgarantien erfasste Instrumente nun mit dem Marktwert über die GuV zu bewerten. Die Änderung der Bilanzierung erfolgt gemäß IAS 8 rückwirkend. Das Ergebnis 2011 wird dadurch mit EUR -59 Mio. belastet (2010: EUR -28 Mio.). Da die negativen Entwicklungen auf den Finanzmärkten auch das Ergebnis der Kommunalkredit stark belasten, musste das im Zuge der Abgabe der Kommunalkredit übernommene Partizipationskapital um EUR -142 Mio. abgewertet werden und ist somit zur Gänze abgeschrieben. Zusätzlich wird das Ergebnis durch Marktwertrückgänge bei Immobilieninvestments, wo die Bank Eigenkapitalinvestor ist,  und durch Abwertungen von Beteiligungen in Höhe von EUR -76 Mio. im Segment Immobilien belastet.

Human Resources/Verwaltungsaufwand

  • Der Personalstand im Konzern (bereinigt um die Veräußerungsgruppe und die entkonsolidierte VB RO) verringerte sich seit dem Jahresultimo 2010 um 131 Mitarbeiter und beträgt nun 2.038 Mitarbeiter. Der Verwaltungsaufwand beträgt für das Geschäftsjahr 2011 EUR 299 Mio. und weist damit zur Vergleichsperiode einen Rückgang von EUR 50 Mio. oder 14 % auf.

ÖVAG Einzelabschluss

  • Im ÖVAG Einzelabschluss belasten Vorsorgen für Länderrisiken das Ergebnis mit EUR          -337 Mio., Abwertungen von Beteiligungen schlagen mit EUR -880,5 Mio. zu Buche. Dabei wurde der Verschmelzungsverlust (EUR -321,6 Mio.) aus der Fusion der ÖVAG mit der Investkredit, die rückwirkend per 31. Dezember 2011 erfolgen wird, bereits vorweggenommen. Der Beteiligungsansatz an der VB Romania (EUR -299,1 Mio.) wurde ebenso wie das Partizipationskapital an der Kommunalkredit zur Gänze abgeschrieben (EUR -142,5 Mio.).

    Mit dem Verkauf der Volksbank International AG an die Sberbank konnte ein wichtiger Abschnitt der Reformstrategie der ÖVAG umgesetzt werden. Die Transaktion führt zu einer deutlichen Verbesserung der Risiko-, Liquiditäts- und Eigenmittelsituation im ÖVAG-Konzern.

    Durch die im Wesentlichen oben angeführten Sachverhalte weist die ÖVAG im Einzelabschluss einen Jahresfehlbetrag in Höhe von EUR -1.345,1 Mio. aus. Durch die Kapitalmaßnahmen (Nominalwert Herabsetzung des Aktienkapitals und des Partizipationskapitals um 70%) wird dieser auf einen Bilanzverlust von EUR -53,5  Mio.  verringert. Aufgrund der hohen Verluste vor allem in den Jahren 2009 und 2011 ist damit zu rechnen, dass das von der Österreichische Volksbanken-AG emittierte Ergänzungskapital am jeweiligen Laufzeitende nicht zum Nominalkurs getilgt werden wird. Eine Feststellung der Höhe der, laut Bankwesengesetz vorgeschriebenen, anteiligen Nettoverlustbeteiligung je Instrument kann erst am Tag der Fälligkeit erfolgen.

Geschäftsentwicklung/Ausblick

  • Mit der Vereinbarung zwischen dem Bund und den Eigentümern der ÖVAG wurde ein Grundstein für die Stabilisierung und den Fortbestand des Instituts gelegt. Die Investkredit soll rückwirkend zum 31. Dezember 2011 auf die ÖVAG verschmolzen werden. Durch die ebenfalls rückwirkend zum 31. Dezember 2011 stattfindende Kapitalherabsetzung und anschließende Kapitalerhöhung ist die erforderliche Kapitalausstattung für die Umsetzung der Geschäftsstrategie gesichert. Der geplante Haftungsverbund nach § 30a BWG gibt die neue Ausrichtung des dann fusionierten Unternehmens vor. Das neue Institut wird sich als Verbundbank auf die Rolle des Spitzeninstitutes fokussieren. Geschäfte außerhalb dieses Bereiches (non-core business) sollen gemäß ihrem zugrunde gelegten Tilgungsprofil abgebaut oder verkauft werden. Durch die Beteiligung der Volksbanken und des Bundes, sowie durch die geplanten Maßnahmen ist die Kapitalisierung der ÖVAG – auch nach Basel III – solide dargestellt.

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